Schloss Erbach

Die Ursprünge reichen zurück ins 12. Jahrhundert

Das Gemälde zeigt Schloss Erbach während des Kroatenüberfalls im Jahr 1622.
© Privatbesitz Graf zu Erbach-Erbach, Foto: Foto-König, Erbach

Die frühesten Zeichen einer Bautätigkeit im Bereich des heutigen Erbacher Schlosses weisen in das 12. Jahrhundert. Der mächtige Bergfried stammt noch aus der Stauferzeit, der gotische Turmhelm wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts aufgesetzt. Die ehemalige romanische Kleinburg wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu einem Renaissance-Schloss erweitert und im Dreißigjährigen Krieg beschädigt. Das heutige Schloss ließ Graf Georg Wilhelm zu Erbach-Erbach in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf den Grundmauern der früheren Tiefburg erbauen und erweitern. Fast zeitgleich mit dem Erbacher Schloss entstand die evangelische Stadtkirche. Schloss und Kirche prägen mit ihren markanten Türmen die Altstadt. Erst 1902 wurde das Schloss im neobarocken Stil dekoriert (Fensterumrandungen, Schlossportal, Balkon auf der Marktplatzseite, etc.)

Die Bauten auf der gegenüberliegenden Seite - Kastenbau, Damenbau und Alter Bau - sowie der Torbogen mit dem Archivbau stammen ursprünglich aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Kasten- und Damenbau wurden nach einem Großbrand 1894 auf den alten Grundrissen leicht verändert wieder aufgebaut.

Wie die Anfänge der Herrschaft Erbach, so ist auch die frühe Baugeschichte ihrer Stammburg weitgehend unbekannt. Vermutlich entstand die Burg Erbach als Wasserburg auf einer Mümlinginsel. Aufgrund der Bedeutung der Herren von Erbach als königliche Ministeriale ist eine Entstehung der Burg im 12. Jahrhundert wahrscheinlich. Frühestes bauliches Zeugnis ist jedoch der noch aufrecht stehende Bergfried. Sein imposantes Mauerwerk aus Buckelquadern lässt ihn in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren.

Das heutige Schloss wurde im Jahr 1736 fertiggestellt. Es ist das Ergebnis einer umfassenden Erweiterung eines bestehenden Renaissancebaus unter Graf Georg Wilhelm, die auch den bis dahin freistehenden Bergfried integrierte. Noch heute ist der Renaissancebau, dessen Gestalt uns durch Gemälde und Zeichnungen bekannt ist, im Inneren des Bauwerks ablesbar.

Um 1800 ließ Graf Franz I. die Innenräume des Schlosses stark umgestalten, um seinen Sammlungen den gewünschten Rahmen zu verleihen. Der größte Eingriff wurde dabei für den zweigeschossigen Rittersaal notwendig.

Das bis dahin außen weitgehend schmucklose Schloss erhielt 1902 eine barockisierende Fassadengestaltung mit Fensterumrahmungen aus Blech, einem repräsentativen Portal und einem Altan zum Marktplatz hin.

Text
Anja Dötsch, Baudenkmalpflegerin, Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen.

Literatur
Demandt, Karl E.: Geschichte des Landes Hessen, Kassel 1956.Steinmetz, Thomas: Die Schenken von Erbach. Zur Herrschaftsbildung eines Reichsministerialengeschlechtes, Breuberg 2000.

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