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Schulausflug in die Gräflichen Sammlungen Schloss Erbach

Die R10b der Justin-Wagner-Schuler in Roßdorf war zu Besuch im Schloss Erbach. Die Führung durch die Gräflichen Sammlungen und ihre Eindrücke hat eine Schülerin in einem bemerkenswerten Aufsatz festgehalten:

Am 12.06.2019 besuchte die Klasse R10b zusammen mit ihrem Geschichtslehrer Herrn Schäfer das Erbacher Schloss. Herr Schäfer erklärte sich auch bereit, die Führung durch die „Gräflichen Sammlungen“ zu übernehmen.

Nach einer Zugfahrt und einem kurzen Fußweg, betraten alle die eindrucksvolle Eingangshalle des Schlosses. Hirschgeweih an Hirschgeweih reihte sich hier an den Wänden. Eine beachtliche Sammlung und wie Herr Schäfer erklärte, eine der größten Sammlungen abnormer Geweihe, also Geweihe, die verkrüppelt gewachsen sind. Diese Geweihe entstehen durch Krankheiten, Verletzungen oder durch genetische Defekte und sind in der Natur nur selten zu finden. Es kam nun die Frage auf, wer die Sammlungen in diesem Schloss überhaupt zusammenstellte. Begründer der Sammlungen ist Graf Franz I. zu Erbach-Erbach, der von 1754 bis 1823 lebte. Sein Enkel Graf Eberhard XV. zu Erbach-Erbach (1818-1884) erweiterte in der Folge die Sammlungen durch zahlreiche weitere Ankäufe.

Von der Eingangshalle ging es dann in die Waffenkammer. Hier kann man die Entwicklung der Handfeuerwaffen von dem Jahr 1520 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nachvollziehen. Besondere Exponate in diesem Raum sind eine Entenflinte mit einem 2,20 m langen Lauf und eine Windbüchse, der Vorläufer des Luftgewehrs, aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Man findet in der Waffenkammer auch ein Modell der „Eingestellten Jagd“, was zeigt, wie in der Barockzeit gejagt wurde. Mit Tüchern wurde ein Gebiet eingegrenzt und das Wild im Vorfeld der Jagd in das abgesperrte Gebiet getrieben. So war es für die Jagdgesellschaft nicht schwer, am Jagdtag das Wild zu erlegen, da es nicht fliehen konnte.

Nachdem die Schüler und auch Herr Schäfer sich große Stoffpantoffeln, zum Schutze des Holzbodens, über die Schuhe gezogen hatten, ging es in das obere Stockwerk. Nach der Besichtigung der Hirschgalerie, in der die größten Geweihe der Sammlung hängen, gingen sie weiter in die drei Antikenzimmer. Das erste Antikenzimmer ist das „Griechische Zimmer“. Hier betrachteten alle eine antike Münzsammlung, mit der die Sammelleidenschaft des Grafen schon in jungen Jahren begann. In diesem Zimmer steht auch das wahrscheinlich berühmteste Exponat des Erbacher Schlosses, die Büste von Alexander dem Großen. Auch im darauf folgenden „Römischen Zimmer“ sahen die Jugendlichen wieder zahlreiche Büsten und eine Statue des römischen Kaisers Trajan.

Das letzte Antikenzimmer, das „Etruskische Kabinett“, betraten die Schüler als nächstes. Hier erklärte ihnen Herr Schäfer, dass in diesem Zimmer hinter einem Vorhang Franz I. in einem einer römischen Kline nachempfundenem Bett schlief. Über dem Vorhang sah man ein kleines Fenster, hinter dem eine kleine Kammer verborgen ist. In der Kammer schlief der Diener des Grafen, der so auch in der Nacht die Wünsche seines Herrn schnell erfüllen konnte.

Im Anschluss an die Antikenzimmer betrat die Klasse die Salons des Schlosses. Dort schauten sie sich unter anderem den „Grünen Salon“ an, der seinen Namen von der grünen Seidenbespannung an den Wänden hat. In diesem Raum machte Herr Schäfer auch auf einen barocken Schreibschrank aufmerksam, welcher kostbare Einlagen aus Fruchtholz und Perlmutt hat, also sogenannte Fruchtholz- und Perlmuttintarsien besitzt.

Im „Grand Cabinet“ fühlt man sich fast wie zu Hause. Es gleicht einem heutigen bequemen Wohnzimmer und wurde im 19. Jahrhundert eingerichtet. An den Wänden sieht man zahlreiche Gemälde, welche wie echte Fotos aussehen. Es fallen sofort die großen Porträts von Eberhard XV. und seiner Frau Clothilde ins Auge. Um diese beiden herum sind die Porträts ihrer elf Kinder angeordnet.

Zum Ende der Führung betraten die Schüler den Rittersaal, der wie Herr Schäfer erklärte, damals hin und wieder auch als Ballsaal verwendet wurde. Im Rittersaal stehen verschiedene Rüstungen, wie z. B. Prunkharnische oder Pferdeharnische. Die kleinste Rüstung hat gerade einmal die Größe einer Puppe. Jedoch ist es keine Kinderrüstung, sondern eine Modellrüstung. Diese Rüstung fertigte der Plattner (Rüstungsmacher) an, damit der Kunde vorher sehen konnte, wie seine Rüstung einmal aussehen soll. An diesem verkleinerten Modell des Harnischs konnte der Ritter noch Dinge zeigen, die verändert werden sollten, bevor die richtige Rüstung gefertigt wurde. Auch erstaunte die Klasse, dass es damals eine Rüstungsprobe gab, das sogenannte „Beschusszeichen“. Bei dieser Probe stieg der Plattner nach Fertigstellung der Rüstung in diese hinein und der Kunde durfte den ersten Schuss darauf abgeben. So konnte man sich sicher sein, dass die Rüstung auch einer Schlacht standhält. Zudem zeigte Herr Schäfer den Schülern, wie schwer ein Kettenhemd war. Nur der Kopfschutz, eine Kettenhaube, wurde herumgereicht, jedoch hatte dieser schon ein beachtliches Gewicht. Ein Mitschüler durfte die Kettenhaube auch mal kurz aufziehen.

Nach der Führung ging Herr Schäfer trotz Regens mit den Schülern noch ein Eis essen, was diese sehr genossen. Herr Schäfer, die Klasse dankt Ihnen herzlichst für diesen tollen, interessanten und informativen Tag.

 

Von Joselin Hildebrandt, Klasse R10b

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